Wer sich mit DevOps, Cloud oder Site Reliability Engineering (SRE) beschäftigt, stößt früher oder später auf Python – neben Shell-Scripting eine der wichtigsten Sprachen in diesem Bereich. Doch wie viel muss man wirklich können? Und für welche Aufgaben kommt Python überhaupt zum Einsatz? Dieser Beitrag gibt einen praxisnahen Überblick – entlang der 7 Kernbereiche eines modernen DevOps-Stacks.
1. Infrastruktur & Provisionierung
Beim Aufbau und der Verwaltung von Cloud-Infrastruktur kommen Tools wie Terraform oder CloudFormation zum Einsatz. Diese nutzen deklarative Konfigurationssprachen – aber Python ist trotzdem hilfreich:
- für kleine Automatisierungs-Skripte rund um die Infrastruktur
- für API-Calls zu AWS, Azure oder GCP (z. B. mit
boto3) - zur dynamischen Erstellung von Inventardaten
2. Konfiguration & Automatisierung
Hier wird Python zum eigentlichen Herzstück. Zwar übernehmen Tools wie Ansible, Salt oder Chef die Konfigurationslogik – aber deren Module und Plugins werden oft in Python geschrieben. Typische Anwendungsfälle:
- eigene Ansible-Module oder Filter schreiben
- Erweiterungen für SaltStack bauen
- kleine Skripte zur Verwaltung von Secrets, Zertifikaten oder Configs
Shell-Scripting (Bash, Zsh) ergänzt das Ganze hervorragend – vor allem für schnelle One-Liner, cronjobs oder Systemintegration.
3. Containerisierung & Orchestrierung
Im Umfeld von Docker, Podman oder Kubernetes ist Python oft die Sprache hinter den Tools:
docker-composeist ein Python-Projekt- Helm-Charts lassen sich mit Python-Templates vorberechnen
- eigene Kubernetes-Operatoren (z. B. mit
kopfoderpulumi) nutzt Python als Basis
Hier ist nicht tiefes Wissen gefragt – aber ein solides Verständnis, wie man YAML-Templates dynamisch aus Python heraus generiert oder prüft, ist sehr hilfreich.
4. CI/CD & Deployment
Continuous Integration (z. B. mit GitHub Actions, GitLab CI, Jenkins oder Drone) setzt häufig auf Shell und Python:
- Testskripte und Linter in Python (z. B.
pytest,black,flake8) - Build- und Deploy-Skripte mit Bash oder Python
- Wrapper für Tools wie
kubectl,ansible-playbookoderdocker
5. Monitoring & Logging
Python wird oft für kleine Exporter und Custom-Metrics verwendet:
- eigene
Prometheus Exportermitprometheus_client - Parsing von Logfiles (z. B.
logrotate,ELK,Loki) - Schnittstellen zu APIs von Monitoring-Tools wie Netdata, Grafana, Datadog
6. Sicherheit & Zugriff
In sicherheitsrelevanten Bereichen hilft Python bei der Automatisierung von:
- Zertifikatsverlängerungen (z. B. Let’s Encrypt mit
certbot) - Benutzerverwaltung per API (z. B. Okta, Keycloak)
- Sicherheitschecks (z. B. CVE-Scanner, Hash-Prüfungen)
Shell-Scripting ist hier oft Teil automatisierter Prüfprozesse in Kombination mit Cron, systemd oder Git Hooks.
7. Betriebs- & Performanceoptimierung (SRE)
Für SREs ist Python ein mächtiges Werkzeug für Diagnose, Optimierung und Alarmierung:
- Performance-Skripte zur Auswertung von Systemmetriken
- Automatisierung von Skalierungsmaßnahmen (z. B. API-gesteuerte Anpassung von Ressourcen)
- Integration von Alert-Systemen mit Slack, E-Mail, Webhooks
Wie viel Python braucht man wirklich?
Du musst kein Softwareentwickler sein – aber du solltest wissen, wie man mit Python:
- eine Datei öffnet, liest und schreibt
- HTTP-Requests an APIs sendet (
requests) - Daten verarbeitet (z. B. mit
json,yaml) - Systembefehle ausführt (
subprocess)
Viele erfolgreiche DevOps Engineers nutzen Python pragmatisch: Sie googeln, kopieren, verstehen und passen an. Wichtig ist die Fähigkeit, Probleme durch Automatisierung zu lösen – nicht perfekte Code-Ästhetik.
Fazit
Python und Shell-Scripting sind keine „Kann“-Fähigkeiten – sie sind die Sprachebene deiner Automatisierungsfähigkeiten. Gerade in Remote-Jobs und DevOps-Rollen mit hoher Eigenverantwortung wird erwartet, dass du Prozesse verstehst, sie dokumentierst und per Code ausführbar machst. Und genau dafür ist Python das perfekte Werkzeug.

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