Snap ist ein von Canonical entwickeltes Paketformat, das Anwendungen mitsamt Abhängigkeiten in einem isolierten Container bereitstellt. Fedora setzt standardmäßig auf RPM-Pakete (per dnf) für Systemsoftware und auf Flatpak für Desktop-Apps, doch Snap kann eine sinnvolle Ergänzung sein – insbesondere, wenn Programme ausschließlich über den Snap Store verfügbar sind (etwa PyChat oder manche JetBrains-Versionen). Durch die zentrale Veröffentlichung im Snap Store können Entwickler Updates unabhängig vom Distributionszyklus ausrollen.
Warum Fedora Snap nicht vorinstalliert
Fedora verfolgt eine offene, community-orientierte Paketpolitik und bevorzugt dezentrale Distributionswege wie Flathub. Der Snap Store wird zentral von Canonical betrieben. Das ist technisch unproblematisch, passt aber nicht zur Fedora-Philosophie, weshalb Snap nicht vorinstalliert ist. Wer Snap braucht, kann es in wenigen Schritten nachrüsten.
Snap unter Fedora installieren – Schritt für Schritt
1. Snapd installieren
sudo dnf install snapd
Was/Wozu: snapd ist der zentrale Dienst für Installation, Verwaltung und Ausführung von Snap-Paketen. Ohne snapd sind Snap-Befehle nicht verfügbar.
2. Snapd-Dienst aktivieren
sudo systemctl enable --now snapd.socket
Was/Wozu: Snap nutzt Socket-Aktivierung. Der Socket startet snapd bei Bedarf automatisch, etwa beim Ausführen von snap install oder während eines Hintergrundupdates. Das spart Ressourcen und stellt sicher, dass Snap-Befehle zuverlässig reagieren.
3. Kompatibilitätslink setzen
sudo ln -s /var/lib/snapd/snap /snap
Was/Wozu: Viele Snaps erwarten den Pfad /snap. Fedora bringt diesen Pfad nicht mit. Der Symlink sorgt dafür, dass solche Snaps ihre Laufzeitdaten finden und korrekt starten.
4. Neustart oder Ab-/Anmeldung
Was/Wozu: Ein erneuter Login oder ein Reboot stellt sicher, dass die Desktop-Umgebung neue Anwendungen, Portale und Icons erkennt. Ohne diesen Schritt erscheinen frisch installierte Snaps häufig nicht im Anwendungsmenü.
GUI-Option: Snap Store installieren
sudo snap install snap-store
Der Snap Store bietet eine grafische Oberfläche zum Suchen, Installieren, Aktualisieren und Entfernen von Snaps. Er ist hilfreich, wenn die App-Verwaltung nicht ausschließlich über das Terminal erfolgen soll.
Vorteile und Nachteile im Vergleich
Quellen
Snap: Zentraler Snap Store (Canonical)
Flatpak: Dezentral, Standard: Flathub
RPM: Distributionseigene Repositories
Updates
Snap: Automatisch im Hintergrund, transaktional mit Rollback
Flatpak: Manuell oder automatisch, ebenfalls transaktional
RPM: Über dnf upgrade, systemweit
Abhängigkeiten
Snap: Abhängigkeiten im Paket gebündelt (distributionsunabhängig)
Flatpak: Gemeinsame Runtimes, die mehrere Apps teilen
RPM: Nutzung der Systembibliotheken
Sicherheit
Snap: Standardmäßig isoliert (Confinement)
Flatpak: Isoliert, Berechtigungen granular steuerbar
RPM: Keine Isolation durch das Paketformat selbst
Versionen
Snap: Parallele Kanäle (stable, candidate, beta, edge)
Flatpak: Mehrere Branches/Runtimes möglich
RPM: Üblicherweise eine Version pro Repo
Performance
Snap: Längere Startzeiten möglich (Container-Initialisierung, Mounts)
Flatpak: In der Praxis oft schneller als Snap, langsamer als native RPM
RPM: Kürzeste Startzeiten, direkte Systemintegration
Speicherbedarf
Snap: Höher, da Bibliotheken mitgeliefert werden
Flatpak: Mittel, Runtimes werden geteilt
RPM: Gering, nutzt vorhandene Systemlibs
Verfügbarkeit
Snap: Manche Anwendungen gibt es ausschließlich als Snap
Flatpak: Sehr breite Abdeckung freier Desktop-Software
RPM: Besonders gut für System- und Serversoftware sowie Fedora-Kernpakete
Bonus: .desktop-Files verstehen und selbst anlegen (wenn kein Menüeintrag erscheint)
Was ist das? .desktop-Dateien steuern, wie eine Anwendung im Anwendungsmenü dargestellt wird (Name, Icon, Startbefehl).
Vorhandene Einträge prüfen
Systemweite Snap-Entries liegen hier:
/var/lib/snapd/desktop/applications/
Startkommando ermitteln
which <snap-befehl>
# Beispiel:
which pychat
Eigenen Menüeintrag anlegen (nur für den aktuellen Nutzer)
nano ~/.local/share/applications/pychat.desktop
[Desktop Entry]
Name=PyChat
Comment=Chat-Client aus dem Snap Store
Exec=/snap/bin/pychat
Icon=/snap/pychat/current/meta/gui/pychat.png
Terminal=false
Type=Application
Categories=Network;Chat;
StartupWMClass=PyChat
chmod 644 ~/.local/share/applications/pychat.desktop
update-desktop-database ~/.local/share/applications 2>/dev/null || true
Systemweit statt benutzerspezifisch
sudo cp ~/.local/share/applications/pychat.desktop /usr/share/applications/
sudo chmod 644 /usr/share/applications/pychat.desktop
sudo update-desktop-database /usr/share/applications 2>/dev/null || true
Bonus: Icons aus Icon-Packs (Papirus) einbinden – inklusive symbolischer Icons
Icon-Pack installieren (Papirus als Beispiel)
sudo dnf install papirus-icon-theme
Icons liegen danach unter:
/usr/share/icons/Papirus/
Icon im .desktop-File referenzieren
Variante 1 (Icon-Name, wird vom aktiven Theme aufgelöst):
Icon=pychat
Variante 2 (absoluter Pfad):
Icon=/usr/share/icons/Papirus/48x48/apps/pychat.svg
Symbolische Icons nutzen (z. B. Roboter)
Statt eines app-spezifischen Icons kann ein thematisch passendes, symbolisches Icon verwendet werden, etwa ein Roboter für einen KI- oder Chat-Client.
/usr/share/icons/Papirus/48x48/apps/robot.svg
Icon=robot
# oder
Icon=/usr/share/icons/Papirus/48x48/apps/robot.svg
Vorteile der Icon-Pack-Methode
Einheitliches Systemdesign, saubere Skalierung für verschiedene Auflösungen, flexible Symbolik ohne eigene Dateien im Home-Verzeichnis.
Fehlersuche kurz und bündig
Kein Menüeintrag sichtbar: Pfade in Exec und Icon prüfen, Datei liegt in ~/.local/share/applications oder /usr/share/applications.
Icon fehlt: Anderen Icon-Namen aus dem Theme wählen oder einen gültigen Pfad angeben.
Startet im Terminal: Terminal=false setzen.
Doppelte/alte Einträge: Überflüssige .desktop-Dateien entfernen, Desktop-Datenbank aktualisieren und neu anmelden.
Fazit
Snap lässt sich unter Fedora schnell einrichten und überzeugt vor allem dort, wo Anwendungen ausschließlich als Snap publiziert werden oder automatische, transaktionale Updates mit einfachem Rollback gewünscht sind. Für klassische Linux-Software und performancekritische Tools sind RPM-Pakete und Flatpak häufig die bessere Wahl. Mit einem optionalen .desktop-Eintrag und einem passenden Icon aus einem Theme wie Papirus fügt sich eine Snap-App nahtlos in die Desktop-Erfahrung ein.

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