Mit LXD 6.5 und Proxmox VE 9 stehen zwei leistungsfähige Virtualisierungslösungen zur Verfügung, die jedoch aus sehr unterschiedlichen Richtungen kommen. Beide Systeme ermöglichen es, Container und virtuelle Maschinen zu betreiben – aber die Art und Weise, wie sie das tun, und an wen sie sich richten, unterscheidet sich deutlich.
Architektur und Ausrichtung
LXD 6.5 ist ein von Canonical entwickelter System-Container- und VM-Manager. Ursprünglich aus der Ubuntu-Welt kommend, basiert er auf Linux-Containern (LXC) und hat sich in den letzten Versionen zu einer hybriden Lösung entwickelt: Neben Containern lassen sich auch vollwertige virtuelle Maschinen betreiben. Die Ausrichtung von LXD ist klar: Cloud-native, API-zentriert und in Cluster-Umgebungen skalierbar.
Proxmox VE 9 hingegen ist eine ausgewachsene Virtualisierungsplattform auf Basis von Debian. Proxmox kombiniert KVM für virtuelle Maschinen mit LXC-Containern und bietet darüber hinaus ein integriertes Web-Interface, Storage-Management, Backup-Lösungen und Cluster-Funktionalität. Zielgruppe sind Admins, die eine zentrale All-in-One-Plattform für Server-Virtualisierung suchen.
Wichtige Unterschiede
- Management: LXD setzt stark auf Befehlszeile und REST-API, während Proxmox VE mit einer mächtigen, sofort einsatzfähigen Web-GUI punktet.
- Container-Technologie: LXD basiert auf LXC (systemnahe Container, ähnlich wie leichtgewichtige VMs), Proxmox nutzt ebenfalls LXC, aber stärker integriert und kombiniert mit KVM.
- Cluster & Skalierung: LXD ist für große, dynamische Cluster mit API-Steuerung optimiert, Proxmox ist eher für kleinere bis mittlere Cluster mit komfortablem GUI-Management gedacht.
- Speicher & Backup: Proxmox bringt out-of-the-box ein Backup-System, flexible Storage-Typen und Web-Integration mit. LXD erfordert hier mehr Eigenkonfiguration.
- Ökosystem: LXD ist besonders interessant für Anwender in der Ubuntu- und Cloud-Welt (z. B. bei Integration mit OpenStack oder MAAS). Proxmox hat eine große Community im Bereich Homelabs, Mittelstand und Hosting.
Neu in den aktuellen Versionen
LXD 6.5 bringt Features wie PCI-Hotplugging, OIDC-Integration für Authentifizierung, bessere Performance bei virtuellen Festplatten (virtiofs Thread-Pool) und ein modernes Web-Interface mit Dark Mode. Allerdings entfällt CRIU-Unterstützung im Snap-Paket, was Live-Migration einschränkt.
Proxmox VE 9 liefert eine rundum modernisierte Oberfläche, Verbesserungen bei Ceph- und ZFS-Integration, stabilere Cluster-Funktionalität und langjährigen Enterprise-Support. Die Plattform bleibt damit klar auf Produktivbetrieb in Rechenzentren und KMUs ausgerichtet.
Wer sollte welche Lösung wählen?
LXD 6.5 ist geeignet für:
- Cloud-native Entwickler:innen, die eine API-gesteuerte Umgebung für Container und VMs suchen.
- Teams, die Kubernetes-Workloads vorbereiten oder systemnahe Container auf Ubuntu-Basis nutzen wollen.
- Organisationen, die stark auf OpenStack, MAAS oder ähnliche Canonical-Technologien setzen.
Proxmox VE 9 ist geeignet für:
- Systemadministratoren, die eine zentrale Plattform für Homelabs, kleine Rechenzentren oder Unternehmen benötigen.
- Teams, die eine All-in-One-Lösung mit GUI, Backup, Cluster und Storage-Management suchen.
- IT-Umgebungen, in denen sowohl klassische VMs als auch leichtgewichtige Container parallel laufen sollen.
Fazit
Wer API-first, Cloud-native und eng mit Ubuntu integriert arbeiten möchte, sollte einen Blick auf LXD 6.5 werfen. Wer hingegen eine alltagstaugliche Plattform mit Web-GUI, Backup und integriertem Storage-Management braucht, wird mit Proxmox VE 9 glücklicher. Beide Systeme sind technisch stark – die Wahl hängt von den eigenen Zielen und dem gewünschten Administrationsstil ab.

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