Bevor Linux zuverlässig Dienste bereitstellen kann, muss das System die vorhandene Hardware erkennen. Dazu zählen PCI-Geräte wie Netzwerkkarten, USB-Geräte wie Laufwerke sowie die zugehörigen Treiber. Nach dem Boot übernimmt der Kernel die Initialisierung, während udev die passenden Gerätedateien in /dev erstellt. Wer diese Grundlagen versteht, kann Hardwareprobleme schnell diagnostizieren und beheben.
Die zentralen Befehle
lspci – PCI-Geräte identifizieren
Zeigt Geräte am PCI-Bus wie Grafikkarten, Netzwerkkarten oder Storage-Controller. Besonders wichtig, um Treiberprobleme zu analysieren oder Geräte-IDs zu recherchieren.
lspci
# zeigt alle PCI-Geräte
lspci -v
# detaillierte Ausgabe
lspci -k
# zeigt Kernel-Treiber
lspci -nn
# Vendor- und Device-IDs
lspci -s 02:00.0
# nur ein bestimmtes Gerät
lspci -mm
# maschinenlesbares Format
lsusb – USB-Geräte analysieren
Listet alle per USB angeschlossenen Geräte auf. Hilfreich beim Arbeiten mit Peripherie wie Tastaturen, Druckern oder externen Laufwerken.
lsusb
# zeigt USB-Geräte
lsusb -v
# detaillierte Infos
lsusb -t
# Baumstruktur aller USB-Geräte
lsusb -s 001:004
# zeigt nur ein spezifisches Gerät
lsusb -d 046d:c534
# filtert nach Vendor-/Product-ID
lsmod – Kernel-Module überprüfen
Zeigt, welche Treiber aktuell geladen sind. Unverzichtbar, wenn ein Gerät nicht funktioniert oder ein Treiber manuell geladen werden muss.
lsmod
# listet geladene Kernel-Module
lsmod | grep e1000
# prüft, ob ein bestimmtes Modul geladen ist
lsmod | wc -l
# zählt die geladenen Module
lsmod | sort -k2 -n
# sortiert nach Speicherverbrauch
dmesg – Kernel- und Hardwaremeldungen lesen
Zeigt die Meldungen des Kernels, insbesondere beim Start oder wenn neue Geräte eingesteckt werden. Sehr nützlich für Fehlerdiagnosen.
dmesg # Kernelmeldungen
dmesg | less # durchsuchbar anzeigen
dmesg | tail -n 20 # nur die letzten Meldungen
dmesg | grep usb # filtert nach USB-bezogenen Meldungen
dmesg --ctime # zeigt normale Zeitstempel
Virtuelle Dateisysteme /proc und /sys
Beide liefern dynamische Hardware- und Systeminformationen. Sie sind keine echten Dateien, sondern Schnittstellen zum Kernel.
cat /proc/cpuinfo # CPU-Informationen
cat /proc/meminfo # RAM-Informationen
cat /proc/devices # erkannte Gerätetypen
ls /sys/class/net # listet Netzwerkschnittstellen
ls /sys/block # zeigt erkannte Blockgeräte
Lerneinheit – interaktive Fragen
Frage 1 (Einzelauswahl)
Welcher Befehl zeigt den geladenen Kernel-Treiber für ein bestimmtes PCI-Gerät?
A) lsusb -t
B) lspci -k
C) lsmod -v
D) uname -r
Frage 2 (Mehrfachauswahl)
Welche Optionen sind für lsusb verfügbar und praktisch für Administratoren?
A) -v → detaillierte Infos
B) -t → Baumstruktur
C) -s → spezifisches Gerät
D) -l → zeigt Bibliotheken
Frage 3 (Befehlseingabe)
Ein Admin möchte herausfinden, ob der Kernel das Modul e1000 für eine Intel-Netzwerkkarte geladen hat.
👉 Gib den passenden Befehl ein:
Frage 4 (Einzelauswahl)
Welcher Befehl eignet sich am besten, um die letzten 20 Hardwaremeldungen nach einem USB-Event zu prüfen?
A) lsusb -t
B) lsmod | grep usb
C) dmesg | tail -n 20
D) cat /proc/meminfo
Frage 5 (Mehrfachauswahl)
Welche Aussagen sind korrekt?
A) lspci -nn zeigt Vendor- und Device-IDs.
B) lsusb -d filtert nach Vendor/Product-ID.
C) /sys/class/net zeigt Netzwerkschnittstellen.
D) lsmod -a listet zusätzlich die Kernel-Version.
Lösungen & Begründungen
Frage 1: Richtig ist B) lspci -k. Nur diese Option zeigt den Kernel-Treiber in Benutzung.
Frage 2: Richtig sind A), B) und C). -l existiert bei lsusb nicht.
Frage 3: Musterlösung:
lsmod | grep -E '^e1000(\s|$)'
Alternativ:
grep -E '^e1000(\s|$)' /proc/modules
Frage 4: Richtig ist C) dmesg | tail -n 20. Das zeigt die neuesten Kernelmeldungen.
Frage 5: Richtig sind A), B) und C). D) ist falsch, da lsmod kein -a kennt.
Mini-Lernkarte
- PCI: lspci (Geräte, Treiber, IDs, Filtermöglichkeiten)
- USB: lsusb (Geräte, Baumstruktur, IDs)
- Module: lsmod (geladene Treiber, Filter, Sortierung)
- Logs: dmesg (Kernelmeldungen, Filter, Zeitstempel)
- Virtuelle FS: /proc und /sys (CPU, RAM, Netzwerke, Geräte)
Fazit
Die Hardwareerkennung unter Linux basiert auf wenigen, aber sehr mächtigen Werkzeugen. Mit lspci, lsusb, lsmod und dmesg sowie den virtuellen Dateisystemen /proc und /sys lassen sich nahezu alle relevanten Hardwareinformationen sichtbar machen. Wer diese Tools mit den richtigen Optionen beherrscht, kann Hardwareprobleme effektiv lösen und ist zugleich optimal auf die LPIC-1-Prüfung vorbereitet.
