Bei der Installation von Proxmox VE wirst du gefragt, welches Dateisystem für die Festplattenpartitionierung verwendet werden soll. Diese Wahl beeinflusst nicht nur die Performance, sondern auch, wie zuverlässig, flexibel und zukunftssicher dein Setup ist – sowohl im Homelab als auch im Business.
Warum verschiedene Dateisysteme?
Jedes Dateisystem wurde entwickelt, um bestimmte Probleme zu lösen – von Fragmentierung über mangelnde Datensicherheit bis hin zu flexibler Speicherverwaltung. Im Folgenden zeige ich dir, welche Systeme Proxmox unterstützt, was sie technisch leisten und wann du welches wählen solltest.
ext4 – Das bewährte Standard-Dateisystem
ext4 ist das klassische Linux-Dateisystem und eignet sich hervorragend für einfache Setups. Es ist schnell, stabil und ressourcenschonend. Es nutzt Journaling, also eine Art Schreibprotokoll, um Datenkonsistenz bei Stromausfällen oder Systemabstürzen zu gewährleisten.
Empfohlen für: Einzelplatten, einfache VMs oder LXC-Container, Homelab-Setups ohne komplexe Anforderungen.
xfs – Für große Dateien und hohe Schreibleistung
xfs glänzt bei sequenziellen Schreibzugriffen großer Dateien – ideal für Logserver oder Archivsysteme. Es kann nicht verkleinert werden, bietet aber hohe I/O-Stabilität bei schreibintensiven Workloads.
Empfohlen für: Monitoring-Server, Backup-Ziele, große Datenarchive mit stabiler Schreiblast.
btrfs – Snapshots, Kompression & Checksummen in einem
btrfs wurde als All-in-One-Dateisystem konzipiert. Es unterstützt Snapshots (Zustände einfrieren), Subvolumes (unterteilte Speicherbereiche), Kompression (automatische Speicherplatzreduktion) und Checksummen (zur Integritätsprüfung von Dateien).
Aber: Unter Proxmox ist btrfs bisher wenig integriert und RAID-Funktionen gelten als unsicher. Die I/O-Stabilität kann unter hoher Last schwanken.
Empfohlen für: Fortgeschrittene Nutzer in Testumgebungen.
ZFS – Das mächtigste, aber speicherhungrige Dateisystem
ZFS kombiniert RAID, Volume-Manager, Snapshots, Deduplizierung und Kompression in einem System. Es prüft mittels Checksummen jede Datei bei Zugriff und kann beschädigte Daten automatisch reparieren. Dank Copy-on-Write kann es Snapshots blitzschnell erstellen, ohne Daten zu überschreiben.
Features wie Deduplizierung (gleiche Daten nur einmal speichern), Rollbacks (Zustände zurücksetzen), Snapshots und Kompression machen es zum Goldstandard für produktive Infrastrukturen.
Aber: ZFS benötigt viel RAM (mind. 8 GB, besser 16+). Für produktive Systeme wird ECC-RAM empfohlen, das Speicherfehler erkennen und beheben kann. Das ist wichtig, da ZFS für Integritätsprüfung auf fehlerfreie RAM-Operationen angewiesen ist.
Fazit: ZFS ist das technologisch fortschrittlichste Dateisystem in Proxmox – doch seine Leistungsfähigkeit bezahlt man mit einem höheren RAM-Bedarf.
LVM & LVM-thin – Flexible Volumes, einfache Snapshots
LVM (Logical Volume Manager) ermöglicht dynamische Speicherzuweisung. Mit LVM-thin kannst du Thin-Provisioning nutzen – z. B. einer VM 100 GB zuweisen, obwohl physisch nur 30 GB genutzt werden. Snapshots sind möglich, aber nicht so effizient wie bei ZFS.
Empfohlen für: dynamische VM-/CT-Umgebungen mit einfachen Snapshot-Anforderungen.
📊 Praxisbeispiele
- Nextcloud auf ext4: viele kleine Dateien, Datenbank + Datei-Uploads, kein Snapshot-Bedarf → stabil & ressourcenschonend.
- GitLab CI/CD auf ZFS: häufige Snapshots, viele gleichartige Artefakte, Kompression und Rollbacks sinnvoll.
- Logserver mit xfs: große sequentielle Logdateien → idealer Durchsatz, wenig Verwaltungsaufwand.
- Datenbankserver mit ZFS + ECC: Schreibkonsistenz, Snapshots, Integritätsprüfung → hohe Betriebssicherheit.
- Virtuelle Desktops (VDI) auf ZFS: paralleler Zugriff, Deduplizierung, schnelle Klonbarkeit.
💼 Was fordern Unternehmen?
In Stellenausschreibungen mit Proxmox-Bezug dominieren zwei Dateisysteme:
- ZFS – fast immer bei Replikation, HA-Cluster, Backups und Snapshots
- LVM-thin mit ext4 – als solide Basis für einfache, ressourcenschonende Infrastrukturen
🏡 Beispiel: Partitionierung eines realen Homelabs
In meinem Homelab laufen u. a. GitLab, MariaDB, K3s, Nextcloud, Airflow, Ceph, Home Assistant, Pi-hole – verteilt auf:
- Beelink SER5 (250 GB SSD): OS, Container →
ext4 - Beelink SER5 (500 GB SSD): performante VMs →
ZFS (Single Disk) - Futro S920 (110 GB SSD): Pi-hole, Home Assistant →
ext4 - 2× USB-SSD (240 GB): Backup-Ziel →
ext4oderbtrfs - 2× USB-HDD (500 GB): Ceph-Testcluster →
RAWohne Format - USB-HDD (1 TB): Archiv / Nextcloud →
xfs(große Dateien, Archivlast)
Jede Partition wurde nach Workload, I/O-Muster, Snapshot-Bedarf und Speicherstrategie gewählt – eine Entscheidung, die sich langfristig auszahlt.
🧭 Fazit
Wähle dein Dateisystem bewusst. Frag dich:
- Benötige ich Snapshots oder Rollbacks?
- Wie viele Daten schreibe ich – und wie oft?
- Will ich Kompression, Deduplizierung oder Replikation nutzen?
ext4 ist simpel und robust, ZFS ist mächtig und sicherheitsorientiert, xfs ist performant, btrfs ist flexibel (aber experimentell), und LVM-thin bietet dynamische Speicherplanung.
Mit dem richtigen Setup passt Proxmox sich dir an – nicht umgekehrt.

Schreibe einen Kommentar