Was passiert eigentlich zwischen dem Moment, in dem du den Power-Button drückst, und dem Augenblick, in dem du dich auf der Linux-Shell einloggen kannst? Dieser Ablauf ist nicht nur spannend, sondern auch prüfungsrelevant im LPIC-1. Wer den Gesamtprozess versteht, kann Fehler beim Booten besser einordnen und Systeme zielgerichtet reparieren.
Gesamtüberblick in Phasen
- Firmware (BIOS/UEFI)
Nach dem Einschalten übernimmt die Firmware: POST (Power-On Self Test), Erkennen von RAM, CPU und Basis-Hardware. Dann wird der Bootloader geladen – aus dem MBR (BIOS) oder EFI-System-Partition (UEFI). - Bootloader (z. B. GRUB2)
Der Bootloader präsentiert ein Menü, lädt den Kernel und übergibt Kernel-Parameter. Er ist die Brücke zwischen Firmware und Kernel. - Kernel + initramfs
Der Kernel initialisiert Treiber für CPU, RAM und I/O-Geräte. Mit Hilfe von initramfs (Initial RAM Filesystem) werden Module geladen, um auf das Root-Dateisystem zuzugreifen. - Init-System
Sobald das Root-Dateisystem gemountet ist, startet der Kernel das Init-System. Früher: SysVinit, teilweise Upstart. Heute Standard:systemd. Hier werden Dienste, Targets und Runlevels abgearbeitet. - User-Space & Login
Dienste laufen, Netzwerk ist aktiv, Login-Prompt erscheint (TTY oder Display Manager). Das System ist „oben“.
Wichtige Befehle zur Analyse
dmesg | less # Kernelmeldungen vom Boot analysieren
journalctl -b # systemd-Logs des aktuellen Boots
journalctl -b -1 # Logs vom letzten Boot
lsblk # Blockgeräte und Boot-Partitionen prüfen
blkid # UUIDs und Dateisysteme anzeigen
systemctl get-default # Start-Target (Runlevel-Äquivalent) prüfen
Lerneinheit – Übungsfragen im LPIC-Stil
Frage 1 (Einzelauswahl)
Was ist die erste Instanz, die nach dem Einschalten aktiv wird?
A) GRUB2
B) BIOS/UEFI
C) Kernel
D) systemd
Frage 2 (Mehrfachauswahl)
Welche Aufgaben erfüllt der Bootloader?
A) Kernel laden
B) Kernel-Parameter übergeben
C) Root-Dateisystem mounten
D) Dienste starten
Frage 3 (Befehlseingabe)
Zeige die systemd-Logs des letzten Bootvorgangs an.
Frage 4 (Einzelauswahl)
Welcher Bestandteil ist für das Laden von Treibern für das Root-Dateisystem zuständig?
A) BIOS
B) initramfs
C) GRUB2
D) journald
Frage 5 (Mehrfachauswahl)
Welche Init-Systeme sind relevant im LPIC-1-Kontext?
A) SysVinit
B) Upstart
C) systemd
D) inetd
Lösungen & Begründungen
Frage 1: B) BIOS/UEFI. Das ist die Firmware, die den Startprozess einleitet.
Frage 2: A) und B). Root-Filesystem mounten und Dienste starten übernimmt der Kernel bzw. Init-System, nicht der Bootloader.
Frage 3:
journalctl -b -1
So werden die Logs des letzten Bootvorgangs angezeigt.
Frage 4: B) initramfs. Es bringt die Module mit, um z. B. das Root-Dateisystem zu mounten.
Frage 5: A), B), C). SysVinit (historisch), Upstart (Übergangszeit), systemd (heute Standard). inetd ist kein Init-System, sondern ein Superserver für Netzwerkdienste.
Mini-Lernkarte
- Firmware: BIOS/UEFI → Bootloader
- Bootloader: GRUB2 → Kernel + Parameter
- Kernel/initramfs: Treiber, Root-FS
- Init-System: systemd (oder SysVinit/Upstart)
- Analyse: dmesg, journalctl, systemctl
Fazit
Der Weg vom Power-Button bis zum Login besteht aus klaren Stufen: Firmware, Bootloader, Kernel + initramfs, Init-System und User-Space. Wer diese Kette versteht, kann Boot-Probleme gezielt eingrenzen und Systeme schneller reparieren – Wissen, das in der LPIC-1-Prüfung und im Admin-Alltag gleichermaßen zählt.
