Unterschiede zwischen VMs und Containern verstehen

Inhaltsverzeichnis

Wer sich mit moderner IT-Infrastruktur, DevOps oder Linux beschäftigt, kommt an einem Thema nicht vorbei: Container vs. virtuelle Maschinen (VMs). Beide Technologien ermöglichen es, Anwendungen isoliert zu betreiben – aber auf vollkommen unterschiedliche Weise.

In diesem Beitrag klären wir: Was ist was? Was sind die technischen Unterschiede? Wann nutzt man das eine, wann das andere? Und warum sind Container eben nicht einfach nur schlanke VMs.

1. Warum ist das Thema so wichtig?

Container und VMs sind das Fundament fast jeder modernen IT-Umgebung – ob im Rechenzentrum, in der Cloud oder im Homelab. Und obwohl sie sich in der Praxis oft ähnlich verhalten (Start, Stop, Snapshot, Export), stecken dahinter grundverschiedene Technologien.

Wer diese Unterschiede versteht, trifft bessere Architekturentscheidungen, spart Ressourcen und kann gezielt auf Jobanforderungen reagieren.

2. Was ist eine virtuelle Maschine (VM)?

Eine VM ist ein kompletter virtueller Computer, der auf einem Host-System über einen sogenannten Hypervisor läuft. Der Hypervisor emuliert Hardware und erlaubt es, ein vollständiges Gastsystem (z. B. Ubuntu, Windows) zu starten.

Man unterscheidet:

  • Typ-1-Hypervisor: Bare-Metal, direkt auf der Hardware (z. B. ESXi, Xen)
  • Typ-2-Hypervisor: läuft auf einem bestehenden Betriebssystem (z. B. VirtualBox)

Beispiel: Du installierst Ubuntu Server in einer VM auf Proxmox und richtest dort GitLab ein.

3. Was ist ein Container?

Ein Container ist keine eigene virtuelle Maschine, sondern nutzt den Kernel des Hostsystems. Er isoliert Prozesse mithilfe von Namespaces und cgroups und hat Zugriff auf sein eigenes Dateisystem, Netzwerk und Ressourcen.

Moderne Container folgen dem OCI-Standard (Open Container Initiative) und werden mit Tools wie Podman, Docker oder CRI-O verwaltet.

Beispiel: Du startest einen NGINX-Container mit Podman unter Fedora. Der Container nutzt den Fedora-Kernel, hat aber eigene Prozesse, Konfiguration und Ports.

4. Technischer Vergleich: VM vs. Container

MerkmalVMContainer
Startzeit30–60 Sekunden< 1 Sekunde
Betriebssystemkomplettes Gastsystemkein eigenes OS, nutzt Host-Kernel
Ressourcenbedarfhoch (RAM, CPU, Storage)gering
Isolierungvollständig via HypervisorNamespace-/cgroup-Isolierung
Snapshotsvia Hypervisorvia Image/Volume
Portabilitätmittel (abhängig vom Imageformat)hoch (OCI-Images)
Sicherheitstark durch OS-Trennungrootless, AppArmor, SELinux nötig

5. Wann verwende ich was?

Container sind sinnvoll bei:

  • Microservices & CI/CD
  • DevOps & GitOps
  • Skalierbare Webanwendungen
  • Automatisierte Test- & Buildprozesse

VMs sind sinnvoll bei:

  • Legacy-Software mit Systemanforderungen
  • Software mit eigener Firewall / Kernel-Modulen
  • Multi-Tenant-Umgebungen mit harten Trennvorgaben
  • Windows-Anwendungen oder Desktop-VMs

6. Mythen-Check: Container vs. VM

  • „Container sind nur Mini-VMs“ – nein, Container teilen sich den Kernel und funktionieren komplett anders
  • „Container sind per se unsicher“ – mit rootless, SELinux und Netzwerkregeln sind sie sehr sicher
  • „Container sind keine vollwertigen Systeme“ – sie enthalten nur das Nötigste für die Anwendung

7. Fazit

Container und VMs sind keine Konkurrenz – sondern Werkzeuge für unterschiedliche Zwecke. Wer beides versteht, kann moderne Infrastruktur aufbauen, professionell verwalten und sicher betreiben. In der Praxis laufen Container oft in VMs, und VMs enthalten manchmal Container. Das eine ersetzt nicht das andere – es ergänzt es.

Faustregel: VMs sind Wohnungen mit eigener Infrastruktur, Container sind flexible Räume im selben Haus.

Visualisierung: Architekturvergleich

Hier eine vereinfachte Darstellung der Unterschiede:

  • VMs:
    Hardware → Hypervisor → OS → Anwendung
  • Container:
    Hardware → Host-OS → Container Runtime → Anwendung

Mini-Glossar

  • Hypervisor: Software, die VMs betreibt (z. B. KVM, VMware)
  • Namespace: Linux-Mechanismus für Isolierung (z. B. Netzwerk, Prozesse)
  • cgroups: Kontrollieren CPU-, RAM- und IO-Zugriff von Prozessen
  • OCI: Open Container Initiative – Standard für Container Images & Runtimes
  • rootless: Container, die ohne Root-Rechte gestartet werden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Andreas Moor
Andreas Moor
@blog@andreas-moor.de

Hallo Fediverse, ich bin Andy!

Hier und auf meiner Website findest du mein akkumuliertes Linux-Sysadmin-Wissen, meine kleinen und größeren Projekte und die Tools, die ich nutze.

Viel Spaß beim stöbern, lesen und lernen! 🧑‍💻

236 Beiträge
16 Folgende