Von der Job-Anzeige zur Job-Praxis: Mein DevOps-Homelab angepasst für die Linux-Admin-Realität

Inhaltsverzeichnis

Wie schafft man den Sprung vom Theorie-Lernen zum echten Job? Und wie baut man sich als angehender Linux-Administrator oder DevOps Engineer ein Portfolio auf, das in Bewerbungsgesprächen überzeugt? All das versuche ich logisch und klar in diesem Beitrag zu dokumentieren und zu durchdenken.

Glossar: Begriffe, die im Beitrag und in der Realität den Jobanzeigen häufig vorkommen

VM: Virtuelle Maschine – vollständiges System in Software

LXC: Linux Container – leichtgewichtige VirtualisierungVirtualisierung

CI/CD: Automatisierte Entwicklungs- und Auslieferungsprozesse

DNS: Übersetzt Domains in IP-AdressenIP-Adressen

Backup: Sicherheitskopie von Systemen oder Daten

Snapshot: Momentaufnahme eines laufenden Systems

Warum eine Jobanzeige mein Maßstab zu meinem Lernpfad wurde

Wenn man sich auf die Reise macht und versucht ein Bein in die Tür der IT-Branche zu kriegen, hat man die Qual der Wahl an Aus-, Fort- und Weiterbildungen. Ausbildung, Studium Zertifikate — alles ist dabei, auch mit der Bildung in der IT wird Geld gemacht. Die Berater der Bildungsinstitute sind in der Realität auch nur Sales-Leute, die provisionslrientiert arbeiten und „gerne“ Cross- und Upselling betreiben.

Meine Hauptfrage war deswegen:

Was fordert der Markt (siehe Stellenbeschreibung) und wie kann ich ein theoretisches und praktisches Fundament kreieren, dass den Arbeitgeber überzeugt?

Ich wollte, so gut es mit meinem Vorkenntnissen und Recherchen ging, eine „perfekte“ Überschneidung zwischen Anforderungen und meinen zukünftigen Fähigkeiten kreieren.

Die folgende reale Stellenausschreibung bei McEnergie in Berlin wurde für mich zur Richtschnur, wie ein realistischer DevOps/Linux-Job im Einstieg aussehen könnte. Mein Ziel war es einem Einstig als Quereinsteiger im Linux-Sys-Admin-Bereich mit Potenzial zum DevOps-Engineer zu erreichen.

Besonders spannend bei dieser Anzeige war, dass die Aufgaben teils deutlich über LPIC-1 hinausgehen– ideal für eine Homelabumsetzung mit Fokus auf DevOps.

Junior System Administrator:In Linux bei der McEnergie GmbH

Du hast Lust, dich täglich mit Linux-Servern, Datenbanken & Co. zu beschäftigen und unserem Team den Rücken freizuhalten?

Deine Aufgaben

  • Du überwachst und betreibst unsere Linux-Server-Landschaft und hältst Prozesse, Schnittstellen und Backups am Laufen.
  • Du reagierst zügig auf Störungen, analysierst Logfiles und findest pragmatische Fixes.
  • Du sicherst Datenbanken (MySQL / MariaDB) und pflegst deren Struktur.
  • Du unterstützt unseren Datenschutz- und Dev-Bereich durch technische Insights und Dokumentationen.
  • Du stehst Kolleg:innen als erster Kontakt bei IT-Fragen bereit und koordinierst ggf. externe Dienstleister.

Dein Profil

Von Vorteil sind Rechenzentrum-Erfahrungen.

Erfolgreich abgeschlossenes Studium der Informatik, Wirtschaftsinformatik oder vergleichbarer Abschluss, gerne auch Quereinsteiger oder abgeschlossene IT-Ausbildung

Erste Erfahrung in der Linux-Administration (idealerweise LPIC-2 oder -3) und Spaß daran, tiefer einzutauchen.

Grundkenntnisse in Servern, Netzwerken, Firewall (Sophos), Virtualisierung (z. B. Proxmox/KVM) und Datenbanken.

Du arbeitest eigenverantwortlich, hast aber genauso Bock auf Teamarbeit.

Deutsch sicher in Wort & Schrift (mind. C1).

Nice-to-have (kein Muss): PHP/NGINX-Know-how, ETL-Tools wie Talend/Pentaho oder erste Cluster-Erfahrung.

Jobanforderungen analysiert – von Linux Essentials bis DevOps

Ich wollte nie einfach Zertifikate sammeln, sondern praxisnah beweisen, dass ich die Inhalte auch wirklich anwenden kann. Ich recherchierte Anhand der Anforderungen und dem bestehenden Lernzielen des Linux Professional Instituts, welche Zertifizierungen die Kompetenzen im der Stellenausschreibung abdecken. Drei Zertifikate bildeten für mich das Fundament.

  • Linux Essentials: Grundlagen für Server, CLI, Benutzer, Berechtigungen
  • LPIC-1: Dienste verstehen, konfigurieren, absichern, loggen, sichern
  • DevOps Tools Engineer: Tool-Chain aus GitLab, Ansible, CI/CD, Monitoring und Automatisierung

Die Zertifizierungen decken sehr gut die theoretischen Fähigkeiten der Anforderungen der Stellenanzeige. Einige Beispiele. Siehst du hier:

  • „MariaDB sichern“LPIC-1 / DevOps: Backup mit Borg, Export/Import getestet, Rechteverwaltung
  • „Proxmox/KVM“Essentials / LPIC-1 / DevOps: VMs, Netzwerk, Snapshots und Clusterfunktion
  • „Firewall (Sophos)“DevOps: Zugriffskontrolle, Firezone VPN + Benutzerrollen
  • „Airflow, Kubernetes, GitLab“DevOps 701: Airflow-Jobs geplant, GitLab CI/CD aufgesetzt, K3s als Orchestrierungs-Test

Meine Setup-Roadmap – abgestimmt auf Zertifikatsphasen

Um möglichst effizient zu lernen, habe ich mein geplantes Homelab in zeitlichen Phasen unterteilt. Das heißt, das ich mich in den theoretischen Inhalten praktisch im Homelab auseinander setzte. Jede passt zu einer Zertifikats- oder Lernstufe und verwendet bestimmte Methodiken und Tools. Bitte auf die Phase klicken um die Details zu sehen.⤵️

Phase 1: Linux Essentials (Woche 1–4)

Proxmox VE – Grundlage für VM- und Containerverwaltung, Netzwerk und Snapshots.

  • Warum im Homelab: Erster Einstieg in virtuelle Server, Netzwerkbrücken und Speicherverwaltung.
  • Lerneffekt: Infrastrukturanlagen, Kommandozeile, Storage-Management.

Vaultwarden (Basis-Setup) – Passwortmanager mit TLS und Reverse Proxy

  • Warum im Homelab: Einstieg in Sicherheitskonzepte, Authentifizierung und Zertifikate.
  • Lerneffekt: HTTPS verstehen, Benutzerrechte anwenden, Webdienste absichern.

Pi-hole (optional) – Lokaler DNS-Server mit Werbeblockade.

  • Warum im Homelab: Einstieg in Netzwerkfilterung, DNS und Systemdienste.
  • Lerneffekt: Namensauflösung, Netzwerkverstehen, Dienstverwaltung.

BorgBackup (einfacher Testlauf) – CLI-Tool für sichere, versionierte Backups.

  • Warum im Homelab: Frühzeitige Einführung in Backup- und Recovery-Prozesse.
  • Lerneffekt: Dateisystemverständnis, inkrementelle Sicherung, Restore-Test.
Phase 2: LPIC-1 (Woche 5–12)

MariaDB + phpMyAdmin – Datenbankserver mit Weboberfläche.

  • Warum im Homelab: Grundlage für Webanwendungen und Datenhaltung.
  • Lerneffekt: SQL-Befehle, Benutzerrechte, Backup/Restore über CLI und GUI.

Vaultwarden (erweitert) – Mit vollständigem TLS-Support und Reverse Proxy.

  • Warum im Homelab: Absicherung eines sensiblen Dienstes mit echten Zertifikaten.
  • Lerneffekt: Benutzerrollen, Konfiguration, Verschlüsselung verstehen.

OpenMediaVault (optional) – NAS-System mit Benutzerverwaltung und Dateifreigaben.

  • Warum im Homelab: Dateisystempraxis und Rechteverwaltung unter realen Bedingungen.
  • Lerneffekt: Mountpoints, Berechtigungen, Dateifreigaben.

BorgBackup (automatisiert) – Inklusive GPG-Verschlüsselung und Cronjobs.

  • Warum im Homelab: Automatisierung und Sicherung als Bestandteil der täglichen Admin-Arbeit.
  • Lerneffekt: Sicherheitskonzepte, Skripting, Aufgabenplanung.

Checkmk + Grafana (Basis-Setup) – Monitoring-Stack zur Systemüberwachung.

  • Warum im Homelab: Frühzeitiges Verständnis von Ressourcen- und Dienstüberwachung.
  • Lerneffekt: CPU-, RAM- und Dienst-Metriken sammeln, visualisieren und verstehen.
Phase 3: DevOps Tools Engineer (Woche 13–20)

GitLab CE + GitLab Runner – Git-Server mit CI/CD-Pipeline.

  • Warum im Homelab: Zentrale DevOps-Plattform zur Automatisierung und Verwaltung von Repositories.
  • Lerneffekt: Repositories, Build-Prozesse, CI/CD-Pipelines und Deployments.

Ansible CLI – Tool für automatisierte Konfiguration via YAML und SSH.

  • Warum im Homelab: Infrastruktur automatisch und reproduzierbar aufsetzen.
  • Lerneffekt: Playbooks schreiben, idempotente Setups realisieren.

Checkmk + Grafana (erweitert) – Monitoring von Container-, VM- und Applikationsebene.

  • Warum im Homelab: Echtzeit-Überwachung komplexer DevOps-Umgebungen.
  • Lerneffekt: Alerting, Applikationsmetriken, Logging-Schnittstellen.

Firezone VPN – Webinterface für WireGuard mit Nutzerrollen.

  • Warum im Homelab: Sicherer Fernzugriff auf alle Dienste.
  • Lerneffekt: VPN, Netzwerksegmentierung, sichere Authentifizierung.

WordPress (CI/CD-Deployment) – Webanwendung im LAMP-Stack automatisiert deployt.

  • Warum im Homelab: Beispiel für vollständige CI/CD-Kette im Produktivsystem.
  • Lerneffekt: GitOps, Testing, Datenbankintegration.
Phase 4: Fortgeschrittene Themen (nach DevOps-Zertifikat)

Home Assistant + Tapo – API-gestützte Automatisierung im SmartHome.

  • Warum im Homelab: Praxisnahe Verbindung von IT und Alltagsautomatisierung.
  • Lerneffekt: Eventverarbeitung, YAML-Logik, API-Steuerung.

K3s (Kubernetes Light) – Leichtgewichtiges Kubernetes für Einsteiger.

  • Warum im Homelab: Einstieg in Container-Orchestrierung.
  • Lerneffekt: Deployments, Services, Ressourcenmanagement.

Apache Airflow – Workflow-Orchestrierung und Zeitplanung.

  • Warum im Homelab: ETL-Prozesse und Automatisierung im Hintergrundbetrieb.
  • Lerneffekt: Task-Definition, DAG-Logik, Zeitplanung.

Ceph-Testcluster – Cluster-Speicherlösung mit Redundanz.

  • Warum im Homelab: Hochverfügbarkeit und verteilte Datenhaltung.
  • Lerneffekt: Storage-Orchestrierung, Ausfallsicherheit, Snapshots.

Ollama + Open WebUI (optional) – Lokaler Playground für Sprachmodelle (LLMs).

  • Warum im Homelab: Containerisierung, Ressourcenmanagement und API-Nutzung.
  • Lerneffekt: Umgang mit Containern, Dienste-Exposition, KI-Lab.

Wie mein Homelab die 7 DevOps-Kategorien abdeckt

Um alle Bereiche von DevOps abzudecken, wollte ich Services nutzen, die einen Mehrwert für mich persönlich haben (Motivationsaspekt), jedoch aber auch alle Bereiche von DevOps abdecken (Markttauglichkeit), so dass man in jedem Bereich später im Arbeitsleben, sowohl mitreden als auch Lösungen anbieten und umsetzen kann. Hier die Übersicht wie mein Homelab systematisch alle sieben zentralen Kompetenzbereiche abdeckt, die im modernen IT-Betrieb gefragt sind.

  • Infrastruktur & Provisionierung – Proxmox, Ceph, OpenMediaVault
  • Konfiguration & Automatisierung – Ansible, Airflow, Home Assistent
  • Containerisierung & Orchestrierung – GitLab Runner, K3s, Ollama
  • CI/CD & Deployment – GitLab CI, WordPress, MariaDB
  • Monitoring & Logging – Checkmk, Grafana
  • Sicherheit & Zugriff – Vaultwarden, Firezone VPN, TLS-Zertifikate
  • Betriebs- & Performanceoptimierung – BorgBackup, Snapshots, Restore-Tests

Mein Hardware-Setup

Für mein Homelab setze ich auf vorhandene Hardware – effizient kombiniert zu einer modularen Umgebung, die produktiv, realitätsnah und ressourcenschonend arbeitet. Aktuell sind folgende Geräte dabei:

  • Beelink SER 5: 24 GB RAM, Hauptserver für Proxmox, GitLab, MariaDB, Airflow und WordPress
  • Futro S920: 12 GB RAM, stromsparender Host für DNS (Pi-hole), Home Assistant und optional OpenMediaVault
  • Fujitsu U7939 Laptop: Admin-Konsole für Ansible, SSH-Zugriff und BorgBackup
  • 1 TB SSD (USB): Speichermedium für die Nextcloud-Daten
  • 2× 240 GB SSD (USB): Eine SSD als verschlüsseltes Ziel für BorgBackup, die andere für Snapshot-Exporte via Proxmox
  • 2× 500 GB HDD (USB): Externe Archivlaufwerke für ältere Snapshots und Volumes

Backup- & Recovery-Konzept

Ein gutes Homelab ist nur so zuverlässig wie seine Backups – deshalb setze ich von Anfang an auf zwei unabhängige Sicherungsstrategien mit realistischem Restore-Ansatz.

  • BorgBackup: verschlüsselt, versioniert, Restore per CLI getestet
  • Snapshot-Export: Proxmox VMs per vzdump gesichert und offline gelagert
  • Archivierung: ältere Backups auf externen HDDs abgelegt

Fazit

Mit diesem Homelab habe ich mir nicht nur ein Lernsystem gebaut – sondern mein eigenes Rechenzentrum, mein öffentlich sichtbares Portfolio und meine strategische Vorbereitung auf einen überdurchschnittlich bezahlten Linux-/DevOps-Job. Und das mit Hardware, die ich bereits hatte.

Wenn du auch ein Homelab aufbauen willst: Fang klein an, aber strukturiert. Ich zeige dir hier, wie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Andreas Moor
Andreas Moor
@blog@andreas-moor.de

Hallo Fediverse, ich bin Andy!

Hier und auf meiner Website findest du mein akkumuliertes Linux-Sysadmin-Wissen, meine kleinen und größeren Projekte und die Tools, die ich nutze.

Viel Spaß beim stöbern, lesen und lernen! 🧑‍💻

236 Beiträge
16 Folgende