Vom Monolith zur Cloud: Wie sich IT-Architekturen im Zeitalter von DevOps und Linux verändern

Inhaltsverzeichnis

Wer IT-Systeme plant oder betreibt, steht früher oder später vor der Frage: Monolith, virtuelle Maschine, Container oder Microservices? Oft wird diese Entwicklung als lineare Progression dargestellt – vom simplen Server bis zur Cloud-nativen Architektur. Doch das greift zu kurz. Denn in der Realität hängt die passende Architektur von vielen Faktoren ab: Komplexität der Anwendung, Teamgröße, Know-how, Budget, Wartungsaufwand und Sicherheitsanforderungen. Dieser Beitrag hilft dir, echte Entscheidungen zu treffen – anhand typischer Szenarien, technischer Hintergründe, Praxisbeispielen und dem Verständnis, warum diese Architekturen überhaupt entstanden sind.

1. Monolithische Architektur

Warum ist diese Architektur entstanden?

Monolithen waren die erste Form moderner Softwarearchitektur, weil frühe Computersysteme stark limitiert waren: Ein Server, eine Anwendung, eine Umgebung. Es gab keine virtualisierte Infrastruktur, Netzwerke waren teuer und unzuverlässig – also wurden alle Komponenten (Webserver, Backend, Datenbank) eng miteinander verknüpft auf einem einzigen System betrieben.

Typische Einsatzszenarien:

  • Kleine Webanwendungen (z. B. Vereins-Website, Blog)
  • Ein-Personen-Projekte oder Homelabs
  • Begrenztes Budget und überschaubare Anforderungen

Vorteile:

  • Einfaches Setup und geringe Komplexität
  • Weniger Komponenten, weniger Infrastrukturbedarf
  • Wenig Wissen über Netzwerk, Container oder CI/CD notwendig

Nachteile:

  • Keine modulare Skalierung möglich
  • Fehlende Isolation: Fehler wirken sich auf das ganze System aus
  • Schlechte Wartbarkeit bei wachsender Codebasis

Beispiel:

Ein selbst gehostetes WordPress mit MySQL auf einem Linux-Server für einen Verein. Schnell eingerichtet, aber mit zunehmenden Anforderungen schnell überfordert.

2. Virtualisierte Umgebung (z. B. mit Proxmox, KVM)

Warum ist diese Architektur entstanden?

Mit steigender Serverleistung wurde klar: Die meisten Systeme waren stark unterausgelastet. Virtualisierung wurde entwickelt, um mehrere Betriebssysteme auf einem physischen Host gleichzeitig zu betreiben – zur besseren Ressourcennutzung, besseren Isolation von Diensten und vereinfachten Migration.

Typische Einsatzszenarien:

  • Homelabs und Testumgebungen
  • Unterschiedliche Dienste mit spezifischen OS-Anforderungen
  • Sicherheitsgetrennte oder Legacy-Systeme

Vorteile:

  • Isolation pro Dienst: Updates & Fehler betreffen nur eine VM
  • Schnappschüsse & Backups einzelner Systeme
  • Flexible Zuweisung von Ressourcen (RAM, CPU)

Nachteile:

  • Höherer Ressourcenverbrauch als Container
  • Langsamere Boot- & Deploymentzeiten

Beispiel:

Ein Homelab mit Proxmox, auf dem GitLab, Nextcloud, Firezone VPN, MariaDB und Checkmk in jeweils eigenen VMs laufen.

3. Containerisierung (z. B. Docker, Podman)

Warum ist diese Architektur entstanden?

Container entstanden als Reaktion auf ein zentrales Problem in der Softwareentwicklung: „It works on my machine“. Entwickler wollten Anwendungen in identischer Umgebung bauen, testen und deployen. Container ermöglichen genau das – leichtgewichtig, portabel, mit allen Abhängigkeiten gebündelt.

Typische Einsatzszenarien:

  • Entwicklungsumgebungen mit vielen Versionen
  • CI/CD-Workflows mit häufigen Releases
  • Skalierbare Anwendungen mit klarer Diensttrennung

Vorteile:

  • Schnelles Deployment & geringe Ressourcenlast
  • Ideal für DevOps: Testing, CI, Build-Automatisierung
  • Einheitliche Umgebungen (z. B. via Compose oder Kubernetes)

Nachteile:

  • Persistente Daten müssen separat behandelt werden
  • Netzwerkkonfiguration kann komplex sein
  • Monitoring, Backup & Logging müssen aktiv eingerichtet werden

Beispiel:

Ein Entwicklerteam arbeitet mit Python, Node.js und Postgres-Containern, die über Docker Compose definiert sind und automatisch bei jedem Commit getestet und deployed werden.

4. Microservices + Orchestrierung (z. B. Kubernetes, OpenShift)

Warum ist diese Architektur entstanden?

Microservices entstanden als Antwort auf die Probleme riesiger Monolithen in großen Unternehmen: Langes Deployment, enge Kopplung, unflexible Entwicklung. Verteilt arbeitende Teams brauchten eigenständig wartbare Module. Kubernetes & Co. bieten die Infrastruktur, diese Dienste zu orchestrieren, zu skalieren und automatisiert bereitzustellen.

Typische Einsatzszenarien:

  • Großunternehmen mit vielen Entwicklerteams
  • Anforderungen an Hochverfügbarkeit und Auto-Scaling
  • SaaS-Plattformen mit globalem Rollout

Vorteile:

  • Unabhängiges Skalieren & Updaten pro Service
  • Cloud-native Fähigkeiten wie Self-Healing & Rollbacks
  • Perfekt für DevOps + GitOps

Nachteile:

  • Hohe Komplexität (Networking, Logging, Monitoring)
  • Initialer Einrichtungsaufwand enorm
  • Nur sinnvoll, wenn die App und das Team darauf ausgelegt sind

Beispiel:

Ein Cloud-Anbieter wie Netflix nutzt Hunderte Microservices mit K8s, Load-Balancer, Secrets-Management, Ingress-Controllern und dynamischem Scaling – mit einem dedizierten DevOps-Team.

Fazit: Nicht jede Architektur ist für alles gemacht

Die Wahl der IT-Architektur ist keine technische Spielerei, sondern eine strategische Entscheidung. Moderne Tools und Plattformen wie Docker, K3s, Helm, OpenShift oder Terraform sind großartig – aber nur, wenn sie zum Projekt passen. Wer ein kleines Tool selbst hostet, braucht keine Kubernetes-Cluster. Und wer komplexe Dienste betreibt, kommt mit Bash-Skripten nicht mehr weit. Der Schlüssel liegt im Kontext: Projektumfang, Teamstärke, Betriebskonzept und Lernziel.

Empfehlung: Finde deine Architektur – nicht „die Beste“

KontextEmpfohlene Architektur
Privates Homelab / EinzelpersonMonolith oder einfache VMs
Kleine IT-Firma mit 2–3 AdminsVMs oder Container mit Ansible & Backups
Startup mit DevOps-ErfahrungContainer + CI/CD + Monitoring
Skalierende SaaS-PlattformMicroservices + Kubernetes

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Andreas Moor
Andreas Moor
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